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Keilschrift

Schrift der Babylonier und Sumerer in der Antike, die benannt ist nach den keilförmigen Eindrücken meistens in Ton, aber auch in Stein, Metall, Wachs und anderen Materialien. Diese Technik wurde im Altertum in Vorderasien entwickelt.

Die ältesten erhaltenen Texte in Keilschrift stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und gehen damit dem Gebrauch des Alphabets rund 1.500 Jahre voraus. Die jüngsten Inschriften stammen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die Keilschrift wurde vermutlich im südlichen Mesopotamien von den Sumerern entwickelt. Sie wurde dann den Bedürfnissen der akkadischen Sprache angepasst, zu der der babylonische und der assyrische Dialekt gehört.

Da Akkadisch, die Sprache der späteren Bevölkerung Sumers, zur internationalen Handelssprache wurde, lehrte man sie in den Schulen des gesamten Orients. Der Gebrauch der Keilschrift erstreckte sich von Kleinasien nach Syrien, Persien und über den diplomatischen Verkehr bis nach Ägypten. Sie wurde auch zur schriftlichen Niederlegung von regionalen Sprachen verwendet, wie Hurritisch in Nordmesopotamien, Syrien und Kleinasien, Eblaitisch in Syrien, Hethitisch, Luwisch, Palaisch und Hattisch in Kleinasien, Urartäisch in Armenien und Elamisch in Persien.

Darüber hinaus wurden neue Schriftsysteme entwickelt, die sich des Keils als Grundelement bedienten, sich aber in Form und Gebrauch der Schriftzeichen von dem babylonischen Modell unterschieden. Solche Systeme wurden in Ugarit (Ras Schamra, Syrien) und in Persien entwickelt, um Ugarisch (eine semitische Sprache) und das Altpersisch der achämenidischen Periode (etwa 550 bis 330 v. Chr.) zu schreiben.

Die ältesten Formen der Keilschrift bestanden aus Piktogrammen. Es war jedoch viel leichter, gerade Linien in den weichen Ton zu drücken, als die unregelmäßigen Linien eines Piktogramms zu zeichnen. Deshalb wurden Schreibwerkzeuge entwickelt, die geeignet waren, konisch zulaufende Abdrücke zu machen. Konturen der Piktogramme wurden nach und nach in keilförmige Muster umgewandelt, die schließlich ein solches Maß an Stilisierung aufwiesen, dass sie den ursprünglichen Piktogrammen kaum noch ähnelten.

Ursprünglich entsprach ein Zeichen einem Wort. Da Wörter, die nicht unmittelbar abgebildet werden konnten, durch Piktogramme von im weitesten Sinne verwandten Objekten ausgedrückt wurden (z. B. Gott durch einen Stern, stehen und gehen durch einen Fuß), standen einige Zeichen für mehrere Worte.

Die meisten sumerischen Worte waren einsilbig, daher entsprachen die Zeichen – unabhängig von ihrer ursprünglichen Bedeutung – bald nur noch einzelnen Silben. Zeichen, die als Wortzeichen oder Logogramme anfangs mehr als ein Wort darstellten, erhielten nun auch verschiedene Silbenwerte. Diese Vielfalt an Möglichkeiten wird als Polyphonie bezeichnet. Andererseits weist das Sumerische viele Worte auf, die trotz unterschiedlicher Bedeutung die gleiche Lautgestalt aufweisen (Homonyme). Silbenwerte, die man Homonymen entnimmt, stimmen in der Lautung überein. Man nennt sie Homophone.

Die voll entwickelte Keilschrift verfügte über mehr als 600 Zeichen. Ungefähr die Hälfte der Zeichen konnte entweder als Logogramm oder als Silbe eingesetzt werden, die anderen waren nur Logogramme.

Logogramme legten auch die Klasse (Mensch, Baum, Stein) fest, zu der ein Wort gehörte. Das System der Keilschrift blieb während der ganzen Zeit ihres Bestehens eine Mischung von Logogrammen und Silbenzeichen. Wenn sie auf eine andere Sprache angewandt wurde, las man die Logogramme einfach in dieser Sprache. Auch wenn zu manchen Zeiten eine Tendenz zur Vereinfachung der Schrift durch die Reduzierung der Anzahl der Logogramme und durch Nutzung der Polyphonie bestand, wurde der Schritt zu einem Alphabet (bei dem jedes Zeichen einem Laut entspricht) nicht vollzogen. Lediglich die ugarischen und die altpersischen Schriften erreichten dieses Stadium.

Als frühe Reisende Keilschriften in Ruinen, vor allem in Persepolis (heute Iran) entdeckten, konnte die Schrift nicht entschlüsselt werden. Der italienische Reisende Pietro della Valle entdeckte 1621 die 413 Zeilen umfassende Inschrift an einem Felsmassiv von Bisutun im Westen des Iran und kopierte sie. 1674 veröffentlichte Jean Chardin, ein französischer Händler, vollständige Inschriften in Keilschrift und stellte fest, dass diese immer in Gruppen dreier parallel angeordneter Formen auftauchen.

Der erste wirkliche Fortschritt auf dem Weg zur Entschlüsselung der Schriften von Bisutun gelang Carsten Niebuhr, einem deutschen Mitglied einer dänischen Forschungsexpedition in den Nahen Osten, die von 1761 bis 1767 stattfand. Er hielt die dreifachen Inschriften zurecht für Abschriften ein und desselben Textes in drei verschiedenen unbekannten Schriften und veröffentlichte 1777 die erste genaue und vollständige Kopie der Inschrift von Bisutun. Diese dreisprachigen Inschriften von Dareios I., dem König von Persien, waren in altpersischer, elamischer (früher als Susisch bekannt) und babylonischer Keilschrift geschrieben. Die drei Schriftsysteme wurden von persischen Königen der achämenidischen Dynastie verwendet, um ihre Erlasse den drei unterworfenen Reichen bekannt zu geben.

Die altpersische Keilschrift war die erste der Inschriften, die entziffert werden konnte. Die deutschen Wissenschaftler Olaf Gerhard Tychsen und Georg Friedrich Grotefend sowie der dänische Philologe Rasmus Christian Rask identifizierten einige Zeichen. Der französische Orientalist Eugene Burnouf entzifferte schließlich einen Großteil der Zeichen des altpersischen Keilschriftsystems, und der englische Assyrologe Henry Creswicke Rawlinson interpretierte davon unabhängig den Text, den er nochmals von dem Felsmassiv in Bisutun kopiert hatte, und veröffentlichte die Ergebnisse 1846.

Die Entzifferung der altpersischen Keilschrift wurde durch die Kenntnis des Pehlewi, einer jüngeren persischen Sprache, erleichtert. Die persische Keilschrift ist die einfachste und jüngste aller Keilschriftsysteme. Sie umfasst 36 Zeichen, die nahezu alle alphabetisch sind, auch wenn sie für bestimmte einfache Silben verwendet werden. Darüber hinaus verfügt das persische Keilschriftsystem über ein Trennungszeichen, das einzelne Worte voneinander abgrenzt. Der Gebrauch der persischen Keilschrift beschränkte sich auf den Zeitraum von 550 bis 330 v. Chr. Das älteste Beispiel für diese Keilschrift ist vermutlich eine Inschrift Kyrus des Großen in Pasargadae, das jüngste die von Artaxerxes III. (Regierungszeit etwa 358 bis 338 v. Chr.) in Persepolis.

Die elamische Keilschrift wird oft als Sprache der zweiten Form bezeichnet, weil sie bei den dreisprachigen Inschriften der achämenidischen Könige an zweiter Stelle auftaucht. Sie wurde 1844 von dem dänischen Orientalisten Neils Ludvig Westergaard zum ersten Mal entschlüsselt. Der Umstand, dass bei den dreisprachigen Inschriften ein und derselbe Text in jeder Keilschrift Wort für Wort wiederholt wird, war für die Übersetzung der elamischen Schrift von großer Bedeutung, da hierfür keine moderne oder bis dato bekannte Sprache zu Hilfe genommen werden konnte.

Das elamische System enthält 96 Silbenzeichen, 16 Logogramme und fünf Begrenzungszeichen. Die Bedeutung der elamischen Schriftzeichen ist im Großen und Ganzen klar, auch wenn es bei einigen Worten noch Unsicherheiten gibt. Die babylonische Version des Textes von Bisutun wurde von dem französischen Orientalisten Jules Oppert, dem irischen Orientalisten Edward Hincks, dem französischen Archäologen Louis Frédérick Joseph Caignart de Saulcy und dem englischen Assyrologen Sir Henry Creswicke Rawlinson entziffert.

Die Ähnlichkeit der Sprache des dritten Keilschriftsystems mit bekannten semitischen Dialekten war bei der Dechiffrierung von großer Hilfe. Die Aufzeichnungen von Bisutun gaben die ersten Hinweise, aber man weiß mittlerweile, dass die babylonische Keilschrift mehr als 2 000 Jahre vor dem Entstehungszeitpunkt der Aufzeichnungen von Bisutun in Gebrauch war. Viele ältere Dokumente in dieser Keilschrift wurden in Babylon, Nineve und anderen Orten im Zweistromland gefunden. Die babylonische Keilschrift wurde auf Siegel, Zylinder, Obelisken, Statuen und Palastwände geschrieben. Sie taucht auf vielen Tontafeln auf, von denen einige 22 Zentimeter hoch und 15 Zentimeter breit sind, während andere wenig größer als drei Quadratzentimeter sind. Die Schrift selbst ist oft sehr klein. Einige dieser kleinen Tafeln umfassen sechs Zeilen und können nur mit einem Vergrößerungsglas gelesen werden.

Letzte Beweise, dass die Zeichen der Keilschrift ursprünglich Piktogramme waren, fehlten, bis alte piktographische Inschriften gefunden wurden. Der deutsche Wissenschaftler Friedrich Delitzsch widersprach 1897 der Ansicht, dass die Keilschrift ursprünglich aus Piktogrammen bestand. Stattdessen nahm er an, dass sie sich aus einer verhältnismäßig kleinen Menge von Grundzeichen entwickelte. Er ging weiter davon aus, dass sich durch die Kombination solcher Grundzeichen mit der Zeit Hunderte von Zeichen entwickelten.

Doch die meisten Wissenschaftler tendierten weiter zur Theorie der Piktogramme. Der piktographische Ursprung der Keilschrift wurde 1913 von dem amerikanischen Orientalisten George Aaron Bartonin in The Origin and Development of Babylonian Writing endgültig nachgewiesen. Er zeigte eine Sammlung von 288 Piktogrammen aus alten Inschriften und verfolgte ihre Entwicklung. Seiner Theorie nach wurden die ursprünglichen Zeichen nach dem Abbild des menschlichen Körpers geformt oder nach Säugetieren, Vögeln, Insekten, Fischen, Bäumen, Sternen und Wolken, Erde und Wasser, Gebäuden, Booten, Haushaltsgegenständen, Feuer, Waffen, Kleidungsstücken, Kultgegenständen, Netzen, Fallen, Tonwaren und Musikinstrumenten. Ausgrabungen deutscher Archäologen von 1928 bis 1931 in Uruk, dem heutigen Warka (Irak), brachten die ältesten bekannten Beispiele piktographischer Schriften auf Tontafeln ans Tageslicht.

Die Übersetzung von Texten in Keilschrift trug viel zur heutigen Kenntnis des alten Assyrien, Babyloniens und des gesamten Orients bei. Die Keilschrift „Kodex von Hammurapi" zählt zu den wichtigsten Dokumenten des vorchristlichen Altertums. Andere Tafeln halfen die Geschichte des alten Ägypten zu entschlüsseln.

Eine Keilschrift, die 1929 bei französischen Ausgrabungen in Ras Schamra in Nordsyrien gefunden wurde, erwies sich als Alphabet aus Konsonanten. Man schätzt, dass es von 1400 bis 1200 v. Chr. verwendet wurde. Die mythologischen Texte, die in diesem Keilschriftalphabet geschrieben wurden, werfen ein Licht auf das religiöse Leben des alten Syrien und haben auch Einfluss auf die Neuinterpretation einiger Bibelstellen.

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